Hinter den Kulissen: die Partnerschaft von Siemens und Teradata

Interview mit Torsten Birn, Siemens Smart Grid Strategic Alliances

Autor

Pierre Mullin

Torsten Birn, Siemens Smart Grid Strategic Alliances

Am 15. April 2013 haben Siemens und Teradata eine globale strategische Partnerschaft im Bereich von „Big Data“ bekanntgegeben. Dieser Begriff steht für die Verarbeitung und Analyse großer Datenmengen. Torsten Birn arbeitet bei Siemens Smart Grid Strategic Alliances und ist einer der Architekten dieser Partnerschaft.

Sie gehören zu den Initiatoren der Allianz von Siemens und Teradata.
Wie viel Arbeit haben Sie in das Projekt gesteckt?

Torsten:
Die Vereinbarung eines komplexen Vertragswerks zwischen zwei großen Unternehmen ist nie ganz einfach. Daher haben wir jetzt seit ungefähr einem Jahr an dieser Partnerschaft gearbeitet. Zunächst haben wir uns das Produkt- und Lösungsportfolio der jeweils anderen Seite genau angesehen und uns überlegt, wie es das eigene Angebot ergänzen könnte. Dann haben wir Gespräche darüber geführt, ob und wie wir zusammenarbeiten könnten. Der nächste wichtige Schritt bestand darin, dass wir die eigene Geschäftsführung für die Idee gewinnen und alle Beteiligten ins Boot holen konnten. Zuletzt haben wir die Konditionen diskutiert und vereinbart und im Vertrag festgehalten. Das war nicht ohne.
What do you think is the most challenging aspect of bringing two companies together?

Was war aus Ihrer Sicht der wichtigste Knackpunkt, den Sie überwinden mussten, um die beiden Unternehmen zusammenzubringen?

Torsten: Ganz gleich, wie sehr sich zwei Unternehmen zu ähneln scheinen, gibt es immer auch Unterschiede. Eine Herausforderung bestand bei dieser Partnerschaft darin, Einverständnis über das Gebiet und die Einzelheiten der Zusammenarbeit zu erzielen. Der Umfang der Zusammenarbeit musste ganz genau definiert werden, und man musste sich über kritische geschäftliche Themen einigen, um die eigenen strategischen Kernkompetenzen zu schützen.

Die schwierigen Fragen bei den Verhandlungen konnten wir nur durch die Schaffung einer vertrauensvollen Atmosphäre erfolgreich abarbeiten. Ich muss gestehen, dass das kein Selbstläufer vom ersten Tag an war. Das Vertrauen wuchs Schritt für Schritt bei den Gesprächen, in denen wir gemeinsam nach viel versprechenden und überzeugenden Lösungen für alle Fragestellungen suchten. Was uns dabei glücklicherweise unterstützte, waren die Portfolios, die sich ohne Konflikte ergänzen. Das verhalf uns zu konstruktiven, konzentrierten Gesprächen, die wir jetzt erfolgreich abgeschlossen haben, so dass wir jetzt in der Umsetzungsphase angelangt sind.

Was hat Siemens von der Partnerschaft mit Teradata?

Torsten:
In der Software-Welt oder in einer Welt, in der das Elektrizitätsnetz langsam mit dem Internet der Dinge verschmilzt, kann man ohne die Unterstützung von Partnern keine Erfolge erzielen. Man kann nicht alles selbst machen - das ist einfach nicht möglich. Mit dieser Partnerschaft ergänzen wir unser umfassendes Lösungsportfolio mit modernstem Daten-Know-how von Teradata. Und da die Zusammenarbeit mit Teradata eine klare Win-win-Situation darstellt, rechnen wir fest mit einer nachhaltigen Kooperation.

Ich möchte das gerne erläutern: Im Wesentlichen bringt Siemens seine mehr als 160-jährige Industrieerfahrung und seine Führungsposition im weltweiten Energie- und Versorgersektor ein, einschließlich seines vollständigen End-to-End-Portfolios; Teradata seine Position als Weltmarktführer in der Business Intelligence und der Big-Data-Analyse. Aus der Kombination dieser beiden Weltklasse-Unternehmen und ihrer geballten Kompetenz quer durch die gesamte Energieversorgungskette und die Analyse großer Datenmengen entsteht eine starke Partnerschaft zum gegenseitigen Nutzen. Das ist nicht nur aus Sicht der Partner eine Win-win-Situation, sondern auch aus der Perspektive der Energiewirtschaft. Schließlich kommt es in dieser Branche darauf an, Kundennutzen zu schaffen.

Können Sie uns eine Vorstellung davon geben, wie groß die Datenmenge ist, die von Smart-Grid-Produkten wie intelligenten Stromzählern, Schutzeinrichtungen oder Leitständen erzeugt wird?

Torsten: Da kann ich eine Schätzung aus einer Studie von GigaOM zitieren ( > Web link ) „Wenn flächendeckend intelligente Stromzähler eingesetzt werden erzeugen sie zusammen 1.000 Petabyte an Daten jährlich. Das sind ca. fünfmal so viele Daten wie im Netz von AT&T“. Jetzt muss man sich nur einmal vorstellen, dass die heutigen intelligenten Stromzähler Profildaten stündlich versenden und nicht minütlich, was genauso machbar wäre. Und intelligente Stromzähler sind nur ein Teil des Bilds.

Daten können aus ganz unterschiedlichen Quellen stammen. Zum Beispiel wurden in einem aktuellen Experten-Blog-Post von Teradata unterschiedliche Daten-Erzeuger wie Leitstände, virtuelle Kraftwerke sowie ( > Web link) Synchrophasoren, Transformatoren, Umspannstationen, Sensoren, soziale Medien, Websites und elektronisch erfasste Protokolle genannt. Diese verschiedenen Quellen generieren riesige Datenvolumina, die analysiert und zu Business Intelligence für Versorger verarbeitet werden können. Es versteht sich, dass die Versorger, die in der Lage sind, die richtigen Daten zu erfassen, sie sauber zu analysieren und ihr neues Wissen als Handlungsgrundlage zu nutzen, die Energiewirtschaft anführen werden.

Es gibt noch mehr Anbieter von Big-Data-Analysen. Warum haben wir uns für Teradata entschieden?

Torsten:
Wir haben diese Partnerschaft nach einer stringenten Auswertung angestrebt, bei der sich Teradata als technologisch fortschrittlichster und reifster Anbieter herausgestellt hat. Tatsächlich ist Teradata seit vielen Jahren Technologieführer bei analytischen Datenbanksystemen. Um etwas konkreter zu werden: Die Schlüsselkriterien für unsere Entscheidung basierten auf dem hohen Leistungsniveau von Teradata, ausgezeichneten Datenverwaltungsfunktionen, einer umfassenden Sichtweise, einem breit aufgestellten Partner-Ökosystem, einer zukunftssicheren Strategie und einer vernünftigen Technologie-Roadmap. Allerdings war es uns nicht nur wichtig, einen Branchenführer als Partner zu gewinnen, sondern auch einen Partner, der unser Angebot so ergänzt, dass sich die Stärken beider Seiten nicht nur addieren, sondern vervielfachen.

Ein Beispiel dafür ist die Unified Data Architecture von Teradata, die die Strategie von Siemens mit seiner vorhandenen Architektur und Hochleistungsplattform ideal ergänzt. Wir können zum Beispiel Versorger-Anwendungsfälle entwickeln und daraus auf der Basis des Teradata-Produkts Aster Data Anwendungspakete für unsere Kunden schnüren.

In der Finanzwelt heißt es immer „Müll rein - Müll raus“. Ist es für die Versorger auch ein Problem, herauszufinden, welche Daten wirklich relevant sind?

Torsten:
„Müll rein, Müll raus“ gilt für alle Branchen. Eine zentrale Quelle der Wahrheit und klare Prozesse für die Datenregelungen (einschließlich Datenfreigabe) bilden die Grundlage für zuverlässige Berichte und Datenanalysen. Bei Versorgern liegt ein besonderer Schwerpunkt auf der Zusammenführung aller historisch gewachsenen Datenquellen, die aus einem isolierten Betrieb stammen, sodass diese zentrale Quelle der Wahrheit entsteht, oder, wie ich das nenne, eine „Panoramadarstellung der Daten.“ Das ist der erste Schritt für jedes Unternehmen. Erst dann kann man damit anfangen, sinnhafte Ergebnisse zu generieren.To conclude, what do you think about privacy and security? Doesn’t big data usually imply big brother?

Letzte Frage: wie stehen Sie zu Datenschutz und Datensicherheit? Implizieren Big Data nicht meistens auch eine Big-Brother-Situation?en. Erst dann kann man damit anfangen, sinnhafte Ergebnisse zu generieren.

Torsten:
Das ist natürlich ein Thema, das wir sehr ernst nehmen müssen. Datensicherheit und Datenschutz stehen auf unserer Prioritätenliste und auf der von Teradata an erster Stelle. Nur ein verantwortlicher Umgang mit Daten nach höchstem Sicherheitsstandard wird es uns möglich machen, die Chancen aus der möglichen Verfügbarkeit großer Datenmengen zu nutzen. Allerdings sind wir darauf angewiesen, dass man uns die Erfassung und Analyse von Daten erlaubt. Das setzt wiederum ein hohes Maß an Vertrauen von denen voraus, die uns diese Möglichkeit einräumen. Daher ist der Aufbau eines Vertrauensverhältnisses zu unseren Kunden auf der Grundlage von Technologie, Prozessen und Menschen der unerlässliche Schlüssel dafür, dass wir Datenschutz gewährleisten und zugleich die Möglichkeiten nutzen, die uns eine Welt der großen Datenvolumina bietet. Und das ist genau das, was wir tun.